Mit 100% spazieren gehen!

  • Hundeschule Spaziergang

Na? Flippt Ihr Hund auch vor Freude aus, wenn es zum Highlight des Tages geht? Drängt er freudig an die Tür und dreht sich um die eigene Achse? Fordert er Sie vor Übermut auf, nun endlich durch diese Tür zu gehen? Hohes Bellen und japsendes Gejodel, während Sie sich noch den Schuh binden? Und weil Sie ihn so gut kennen, liegt bestimmt schon alles griffbereit, was Sie zum Spaziergang mit Ihrem Hund brauchen…

So oder so ähnlich sieht das bei 70% der Hundehalter aus, wenn es zur täglichen Runde geht. Das Bild setzt sich aber noch fort: Der Hund mit der Nase voraus, der Herr mit etwas Abstand dahinter. Hat der Hund etwas entdeckt, zieht er schnell mal nach links und schnüffelt ausgiebig. Oder er hat glatt etwas übersehen und muss nochmal dorthin zurück. Ja, und dort, dieser eine Busch, das ist sein Markierritual, da muss er jetzt schnell hin. Die Leine auf Zug, das Herrchen dahinter hält dagegen und nur wenn es richtig nervt, wird der Hund herangeholt und ordentlich geschimpft.

Viel Interesse an seinem Menschen zeigt der Hund in diesem Beispiel nicht. Er entlädt seine Energie instinkt- und triebgesteuert. Dass er in der Leine hängt, beeindruckt ihn nicht besonders, daran hat er sich gewöhnt. Wird er einige 100 Meter später abgeleint, steuert er sicher schnell voraus, setzt seine tauben Ohren auf und stöbert. Oder interessiert sich für Wildspuren und eklige Hinterlassenschaften.

Gehen Sie mit Ihrem Hund 100% spazieren.

Wenden Sie das Blatt, indem Sie für Ihren Hund viel interessanter sind, als die Verleitungen der Natur. Halten Sie ihn am Anfang angeleint. Laufen Sie mit ihm in den Wald und balancieren mit ihm gemeinsam auf einem Baumstamm. Sie voraus und er hinterher. Verstecken Sie sein Lieblingsspielzeug in einem Ast- oder Laubhaufen. Führen Sie ihn heran  und fordern ihn auf, es zu holen. Quetschen Sie ein Leckerlie in die Rinde eines Baumes und zeigen ihm, dass er suchen soll. Gehen Sie langsam ein Stück des Weges. Bleiben Sie ruckartig stehen mit einer 180° Wendung. Das können Sie mit einem ungewohnten Ton noch unterstützen. Ihr Hund wird hochinteressiert sein, was da jetzt wohl wieder sein könnte. Wollen Sie Ihrem Hund Freilauf gönnen, dann schnippsen Sie ohne ein Wort die Leine ab und gehen ganz normal weiter. Entfernt er sich, haben Sie natürlich viel zu bieten. Ein Laut, eine Kehrtwendung, Wegrennen, Verstecken, oder buddeln Sie auch einmal!

Seien Sie erfindungsreich!

Ich garantiere Ihnen: schon beim nächsten Spaziergang ist Ihr Hund in ganz anderer freudiger Erwartung und wird seine Aufmerksamkeit deutlich mehr bei Ihnen haben. Sie stärken damit die Bindung durch Spaß und Erfolg, den der Hund erfährt. Nach und nach festigen solche aktiven Spaziergänge Ihre Beziehung und Sie können Ihrem Hund mehr vertrauen, wenn er ohne Leine auf Stöberkurs geht. Es ist ein Wechselspiel zwischen Ihnen, worin Sie und Ihr Hund die Reaktionen des anderen besser kennenlernen und einschätzen können. Setzen Sie dabei Ihre Stimme wenig, besser überhaupt nicht ein. Zeigen Sie mit Gesten oder steuern Sie mit entsprechender Körperhaltung voraus. Die größte Wirkung erzielen Sie mit plötzlichem Geschehen. Damit meine ich z.B. das ruckartige Stehen/Drehen, der unvermittelte Tritt auf den Baumstamm oder das fliegende Spielzeug.

Probieren Sie es aus!

Wenn Sie merken, dass diese 100% bei Ihrem Hund Wirkung zeigen, ändern Sie das Aufbruchritual zuhause. Verweisen Sie ihn, ruhig zu warten. Laufen Sie hin und her, holen Sie dort etwas und binden sich woanders die Schuhe. Gehen Sie zurück und nehmen Ihren Schlüssel. Holen Sie das Halsband und blicken Sie Ihren Hund an. Nicken Sie freundlich, dann darf er kommen. Bleibt er nicht, sondern verfällt in sein vorheriges Verhaltensmuster, wiederholen Sie den jeweiligen Schritt. Auch wenn es länger dauert, bis Sie zur Tür hinauskommen. Bleiben Sie dabei geduldig und freundlich, aber unbedingt konsequent. Schließlich hat Ihr Hund 100% von Ihnen zu erwarten und die gibt es nur, wenn er sich richtig benimmt!

Viel Spaß wünscht Ihnen Ihr Rudolf Jehnes.